Andrin

Kämpfer und Zimmermann

Ich spiele, seit ich 4 Jahre alt war, Eishockey beim SC Lyss, heute in der MySports League.

PHOTO-2021-11-28-10-15-51.jpg

Daneben habe ich immer schon auch ganz viele andere Sachen gemacht, wie etwa Geräte­turnen, aber auch verschiedene Instrumente wie Gitarre und Schlag­zeug gespielt, was mich zum Auflegen gebracht hat.

Als DJ habe ich ein paar eigene Songs produziert und dafür mit Kollegen sogar ein eigenes Ton­studio gebaut.

Beruflich arbeite ich als Zimmer­mann und habe mit meiner Mutter zusammen ein altes Bauern­haus gekauft, welches wir nun renovieren werden.

PHOTO-2021-11-28-10-15-49.jpg

Zuerst wurde meine Rekrutierung wegen Corona zwei oder drei Mal verschoben. Als sie dann endlich stattfand, ging alles ziemlich schnell! Da mein Vater im VBS arbeitet, habe ich mir schon relativ früh Gedanken zu meinem Militär­dienst gemacht und wollte eigentlich Fall­schirm­aufklärer werden. Beim Screening in Dübendorf habe ich aber leider die Anforderungen nicht erfüllt.

7297_216-2-1646756028.png

Im Rekrutierungs­zentrum in Sumiswald wollte ich dann unbedingt zu den Panzer­truppen eingeteilt werden, am liebsten als Panzer­grenadier!

Wir haben in diesen drei Tagen sehr viele Infos erhalten, manchmal war es etwas zu viel. Es war aber dennoch spannend, unter anderem auch die ganzen medizinischen Tests.

scrollitelling_03.png
scrollitelling_04.png

Als ich meine Einteilung erhalten habe, war ich stinksauer! Ich kam mir verarscht vor, weil ich meine Wunsch­funktion Panzer­grenadier aufgrund eines schlechten Resultats beim Einbein­stand nicht erhielt und stattdessen als Panzer­fahrer eingeteilt wurde.

Nach einem Gespräch mit meinen Eltern hat sich der Frust aber gelegt und ich bin letztlich sehr glücklich mit meiner Funktion.

Die ersten zwei Wochen der Rekruten­schule waren schon sehr speziell. Wir waren 16 Leute in unserem Zug und haben alle im gleichen Zimmer geschlafen. Dadurch sind wir extrem schnell zusammen­gewachsen.

Es war superstressig, aber ich habe es mir genau so vorgestellt. In der ersten Woche hatten wir noch eine Art «Welpen­schutz», der ist dann aber in der zweiten Woche verflogen und wir mussten uns richtig anmelden, und so weiter.

Wir alle wurden dem M113-Panzer als Besatzer zugeteilt. Alle von uns waren Hand­werker, weshalb wir schlussendlich wohl zu den Panzer­sappeuren zugeteilt wurden, da es dort viel handwerkliches Geschick braucht.

Am Ende muss ich sagen, dass ich am genau richtigen Ort gelandet bin!

Nach der Woche 2 konnten wir zum ersten Mal in den Wochen­end­urlaub und die Vorfreude war riesig! Aufgrund von Corona habe ich damit gerechnet, gar nie nach Hause zu können.

10-1646756302.jpg

Zuerst ging ich mit Freunden gut essen, danach in den Ausgang und anschliessend habe ich viel, viel geschlafen. So ist das Wochen­ende schnell vergangen. Man muss es geniessen!

Das speziellste RS-Erlebnis war die drei­tägige Übung, nach der wir zu Soldaten brevetiert wurden. Es begann am morgen um 6 Uhr mit Schwimmen im Thuner­see, danach viel Marschieren.

Am Abend des zweiten Tages begann es dann zu regnen ohne Ende. Alles war nass, die Kampf­stiefel mit Wasser gefüllt, auch der Schlaf­sack wurde nass. Das Zelt, in dem wir schliefen war auch nass und hat nichts mehr gebracht. Wir machten Feuer und versuchten es am Brennen zu halten.

Was mir aber am meisten in Erinnerung bleibt, ist wie das Kader gefordert war, um die Karre am Laufen zu halten. Wir hatten Leute, die aufgeben wollten, aber am Schluss haben wir es alle durchgezogen und das war ein unglaubliches Erlebnis.

15:49
Mir müässä di ganzi Parkornig vo üsnä Panzär no einisch nöii machä wüusi nid ganz nachäm Plan entsprächä. 🙄
16:14
Ah mann, da gsehni dr Sinn haut scho nid so ganz.. 😅
16:15
Jetz hei mir aui no mau umparkiert.
16:39
Obwou mir sä morn ehh widär bruchä und di ganzi Ornig widär komplett düränang isch… 😒
16:40

Neben der Breve­tierung waren auch die Verschiebungen nach Bure und Hinterrhein, Maschinen­gewehr schiessen und Hand­granaten werfen Schlüssel­momente. Aber auch die Kontakte mit den Berufs­militärs in den Gesprächen ums Weiter­machen oder mit unseren Vorgesetzten, mit denen wir zum Schluss per Du waren und über vieles, was wir erlebt haben, lachen konnten. Das erste Mal Panzer fahren war eigentlich gar nicht so speziell, aber mit der Zeit wächst man dermassen rein und verliebt sich in dieses Gefährt.

Auf dem Schiess­platz Chirel habe ich die erste Serie mit dem Maschinen­gewehr geschossen, das wird mir auch noch lange in Erinnerung bleiben.

Ich fand es extrem spannend zu sehen, wie andere sich verhalten und mit den Heraus­forderungen in der RS umgehen.

Zudem habe ich mich noch nie so stark mit mir selber beschäftigt und ich kenne mich selbst nun viel besser.

Das war einer der Haupt­gründe, wieso ich mich zum Weiter­machen entschieden habe.

Das Miteinander war mir sehr wichtig und ich will als Kader dazu beitragen, dass wir gemeinsam ans Ziel kommen.

2-1646756785.jpg

Ich will auch nicht ewig Zimmer­mann bleiben und hoffe, dass mir die Führungs­erfahrung, die ich im Militär sammeln kann, dabei hilft, mich auch beruflich weiter­zu­entwickeln.

Aber zuerst baue ich nun das Haus mit meiner Mutter um und rücke erst im nächsten Winter in die Unter­offiziers­schule ein.

PHOTO-2021-11-28-10-15-51-(2).jpg
Benjamin

Techniker und Informatiker